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Wiesbaden
Dankbarkeit für die Wiedervereinigung in Freiheit

Dankbarkeit für die Wiedervereinigung in Freiheit – Herausforderungen der Gegenwart gemeinsam anpacken
Gemeinsame Veranstaltung von MIT und CDA mit Friedhelm Ost

Vor zwanzig Jahren wurde mit der Wiedervereinigung in Freiheit die über vierzig Jahre währende deutsche Teilung beendet – Anlass zu einem dankbaren Rückblick auf die Ereignisse der Wendezeit wie auch zu einem Blick auf die heute anstehenden Herausforderungen. Zum Thema „20 Jahre Deutsche Einheit – Bilanz und Ausblick“ sprach Staatssekretär a.D. Friedhelm Ost, ehemaliger Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung auf Einladung der Mittelstandsvereinigung (MIT) und der Christlich- Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) Wiesbaden im Haus der Heimat.
Friedhelm Ost, der zur Wendezeit als wirtschaftspolitischer Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl unmittelbarer Augenzeuge des Wiedervereinigungsprozesses war, erinnerte die Zuhörer, darunter der stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Stadtrat Detlev Bendel, an die friedliche Revolution in der DDR und den schwierigen Prozess zur Wiedervereinigung. Heute werde oft vergessen, dass mit der friedlichen Revolution in der DDR der Weg zur Einheit beileibe noch nicht frei gewesen sei. Vielmehr habe es großer diplomatischer Anstrengungen bedurft, um Freunde, Nachbarn und nicht zuletzt die Sowjetunion unter Michael Gorbatschow zu überzeugen, dass von einem wiedervereinigten Deutschland keine Gefahr für den Frieden in der Welt ausgehen würde. Helmut Kohl habe die historische Chance zur Einheit gesehen und genutzt – durch viele Gespräche, Telefonate und Besuche: „Das Fenster zur Einheit stand nur kurze Zeit offen“, betonte Ost. Helmut Kohl habe – im Gegensatz zu vielen anderen Politikern in Deutschland, leider auch in der Union – immer am Ziel der Wiedervereinigung festgehalten. Er habe auch als erster durch sein „Zehn-Punkte-Programm zur deutschen Einheit“ vom November 1989, als er übrigens noch von einem Zeitraum von drei bis vier Jahren bis zur Einheit ausging, die Initiative in Richtung Deutsche Einheit ergriffen. Natürlich habe es im Zuge der Wiedervereinigung auch Fehler und Fehleinschätzungen gegeben, räumte Ost ein. Aber: Wenn damals die DDR allgemein anerkannt als eine der größten Industrienationen der Welt gegolten habe – woher hätte man wissen sollen, wie marode die DDR-Wirtschaft wirklich war?
Auch auf anderen Gebieten wandte Ost sich gegen eine nostalgische Verklärung der DDR: Die hohe Umweltbelastung von Luft, Boden und Wasser und die schlechten Arbeits- und Wohnbedingungen hätten dazu geführt, dass die Lebenserwartung in der DDR um fünf Jahre geringer gewesen sei als in der Bundesrepublik – das werde heute oft vergessen. Vor allem aber sei die DDR gnadenlos mit ihren alten Menschen umgegangen. Es sei ihm unvergeßlich, wie ihm beim Besuch eines „Feierabendheims“ (Altenheims) in Mecklenburg auf seine Fragen nach den schlechten Wohn- und Sanitärbedingungen immer wieder geantwortet worden sei: „Für die Alten reicht das doch!“. Schließlich sei die DDR-Geschichte bis heute nicht aufgearbeitet worden, viele heutige Schülerinnen und Schüler wüssten über das Unrecht in der DDR nicht mehr Bescheid.
Im Hinblick auf die heutigen Herausforderungen durch den demographischen Wandel, die Finanzkrise und den Klimawandel forderte Ost, der als Bundestagsabgeordneter (1990-2002) auch Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses gewesen war, zu mehr Optimismus und zur Besinnung auf die Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft auf: „Unsere Soziale Marktwirtschaft ist eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die auf den Prinzipien der katholischen Soziallehre und der protestantischen Ethik beruht, die auf Menschenwürde, Moral, Maß und Mitte setzt. Wir brauchen einen neuen Aufbruch in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – ohne Angst vor Veränderungen.“
Christian Poplutz
 

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